Ist Sex im Auto strafbar? Die Rechtslage in der Schweiz
Das Wichtigste in Kürze
- Sex im Auto ist in der Schweiz nicht verboten. Kein Gesetzesartikel regelt das.
- Strafbar wird es erst, wenn jemand ungewollt zusieht und innerhalb von drei Monaten einen Strafantrag stellt. Dann droht eine Busse nach Art. 198 StGB.
- Während der Fahrt wird es zum Fall für das Strassenverkehrsgesetz, im schlimmsten Fall mit Ausweisentzug.
- Im Mietwagen gilt strafrechtlich dasselbe. Dazu kommt höchstens eine Reinigungsgebühr.
- Bei bezahlten Treffen gelten zusätzlich die kantonalen Prostitutionsvorschriften.
Die Details folgen weiter unten. Welche Stellungen beim Sex im Auto funktionieren, erklärt ein eigener Artikel.
Ist Sex im Auto in der Schweiz verboten?
Nein. Man darf im Auto Sex haben, solange niemand ungewollt zuschauen muss.
Im Schweizer Strafgesetzbuch gibt es keinen Tatbestand für Sex im Auto, im Freien oder sonst in der Öffentlichkeit. In Frage kommt einzig die sexuelle Belästigung nach Art. 198 StGB. Danach macht sich strafbar, wer vor jemandem eine sexuelle Handlung vornimmt, der nicht damit rechnet, und dadurch Ärgernis erregt. Es braucht also beides: eine Person, die zufällig zusieht, und dass sie sich darüber ärgert. Bei einem Paar in einem abgedunkelten Auto auf einem leeren Parkplatz fehlt das eine wie das andere.
Art. 198 ist ein Antragsdelikt, die Polizei ermittelt also nicht von sich aus. Solange sich niemand gestört fühlt und Anzeige erstattet, passiert gar nichts. Als Strafe sieht das Gesetz eine Busse vor, nach Art. 106 StGB höchstens 10'000 Franken. In der Praxis bleibt sie weit darunter.
Wer online zum Thema sucht, stösst häufig auf deutsche Ratgeber. In Deutschland gilt § 183a StGB, die Erregung öffentlichen Ärgernisses, und dort sind bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe möglich. Mit der Schweizer Rechtslage hat das nichts zu tun.
Was passiert, wenn man beim Sex im Auto erwischt wird?
Meistens nicht viel. Ohne Strafantrag gibt es kein Verfahren.
Kommt eine Polizeipatrouille vorbei, prüft sie in der Regel kurz, ob beide freiwillig dabei sind, und fährt dann weiter. Ernster wird es erst, wenn jemand Anzeige erstattet. Wer sich gestört fühlt, hat dafür nach Art. 31 StGB drei Monate Zeit. In diesem Fall eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Verfahren, das im Normalfall mit einem Strafbefehl und einer Busse endet.
Fast alle Ratgeber lassen etwas Wichtiges aus: Bussen bis 5'000 Franken werden nicht ins Strafregister eingetragen. Eine Verurteilung wegen Sex im Auto erscheint also in keinem Strafregisterauszug, ausser die Busse liegt über diesem Betrag. Bei einem Erstfall ohne weitere Umstände ist das kaum vorstellbar.
Wirklich ernst wird es, sobald Kinder unter 16 im Spiel sind. Wer ein Kind vorsätzlich in eine sexuelle Handlung einbezieht, auch indem er es zusehen lässt, fällt unter Art. 187 StGB. Das ist ein Offizialdelikt: Die Behörden ermitteln von Amtes wegen, und es droht eine Freiheitsstrafe. Der Parkplatz beim Spielplatz am Nachmittag scheidet damit aus.
Wann ist es Exhibitionismus?
Wenn es draussen vor dem Auto passiert und Fremde es sehen sollen. Zu zweit im Wageninnern ist es kein Exhibitionismus.
Art. 194 StGB bestraft exhibitionistische Handlungen, also wenn jemand seine Geschlechtsteile gezielt Leuten zeigt, die das nicht sehen wollen. Sex auf der Motorhaube an einer belebten Strasse kann darunter fallen, Sex im Auto bei geschlossenen Türen dagegen nicht. Seit der Revision des Sexualstrafrechts vom 1. Juli 2024 ist auch Exhibitionismus im Grundfall nur noch eine Übertretung, die mit Busse bestraft wird. Eine Geldstrafe gibt es erst in schweren Fällen. Wo noch von 180 Tagessätzen die Rede ist, stützt sich der Text auf die alte Fassung.
Ist Sex während der Fahrt erlaubt?
Nein. Sobald das Auto fährt, ist das Strassenverkehrsgesetz massgebend und nicht mehr das Sexualstrafrecht.
Nach Art. 31 SVG muss der Fahrer sein Fahrzeug ständig beherrschen. Wer am Steuer Oralverkehr empfängt oder eine Hand nicht am Lenkrad hat, sondern woanders, tut das nicht. In leichten Fällen gibt es eine Busse nach Art. 90 Abs. 1 SVG. Wird dabei jemand ernstlich gefährdet, liegt eine grobe Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 vor, mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Zusätzlich läuft ein Administrativverfahren. Bei einer schweren Widerhandlung ist der Ausweis nach Art. 16c SVG mindestens drei Monate weg, bei einer mittelschweren nach Art. 16b mindestens einen Monat.
Oralverkehr im Auto ist also nicht an sich strafbar. Im fahrenden Auto ist er es aber, und zwar auch dann, wenn niemand zusieht. In der Schweiz reicht schon ein Blick aufs Handy am Steuer für eine Busse. Sex beim Fahren wird entsprechend deutlich strenger beurteilt.
Sex auf dem Parkplatz: welche Bussen drohen neben dem Strafgesetzbuch?
Je nach Gemeinde und Parkplatz spielen zwei weitere Ebenen mit: das kommunale Polizeireglement und die Parkvorschriften.
Viele Gemeinden verbieten in ihrem Polizeireglement Verstösse gegen Sitte und Anstand. Bülach zum Beispiel untersagt in Art. 4 seiner Polizeiverordnung, öffentlich Ärgernis zu erregen oder gegen Sitte und Anstand zu verstossen, und bestraft das mit Busse. Die Allgemeine Polizeiverordnung der Stadt Zürich enthält keinen vergleichbaren Artikel. Dort bleibt nur der Lärm als Thema, denn störendes Verhalten im Freien ist während der Nachtruhe verboten. Wie der Beobachter richtig festhält, sind solche Reglemente von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Eine allgemeine Antwort gibt es deshalb nicht. Wer sicher sein will, liest das Reglement der Gemeinde, in der das Auto steht.
Dann kommt es auf den Parkplatz selbst an. Ein offizieller Parkplatz nach Betriebsschluss ist kein Problem, eine Waldstrasse schon. Art. 15 des Waldgesetzes verbietet es, mit Motorfahrzeugen auf Waldstrassen zu fahren, und nach Art. 43 drohen dafür Bussen bis 20'000 Franken. Gilt ein signalisiertes Fahrverbot, gibt es eine Ordnungsbusse. Mit Sex hat das zwar nichts zu tun, es betrifft aber gerade die Leute, die einen abgelegenen Platz suchen. Ruhige Orte, die auch rechtlich in Ordnung sind, finden sich im Artikel zu den Orten für Sex im Freien.
Ist Sex im Mietwagen erlaubt?
Ja. Strafrechtlich spielt es keine Rolle, wem das Auto gehört.
Für Art. 198 StGB ist der Fahrzeugausweis ohne Bedeutung. Beim Mietwagen kommt aber der Vertrag mit dem Vermieter hinzu. Ich kenne keinen Schweizer Anbieter, der Sex im Fahrzeug in seinen Bedingungen ausdrücklich verbietet. Geregelt ist bei allen dagegen, dass das Auto sauber zurückgegeben werden muss. Mobility verrechnet für eine Spezialreinigung nach Aufwand mindestens 100 Franken, bei besonderem Aufwand zusätzlich 140 Franken pro Stunde. Die klassischen Autovermieter verlangen für eine Innenreinigung ähnlich viel. Wer das Auto im gleichen Zustand zurückgibt, wie er es bekommen hat, zahlt nichts.
Ist Sex im Freien in der Schweiz strafbar?
Nein. Es gilt dieselbe Regel wie im Auto: Ohne ungewollte Zuschauer liegt kein Delikt vor.
Ob im Wald, am Seeufer oder im Auto, massgebend ist immer Art. 198 StGB. Unterschiedlich ist nur, wie leicht man gesehen wird. Im Auto hat man Türen und Scheiben, auf einer Lichtung nicht. Welche Orte in der Schweiz sich in der Praxis bewährt haben und worauf man bei der Wahl achten sollte, steht im Artikel über Sex im Freien.
Gilt das auch für ein Treffen mit einer Escort?
Nur teilweise. Bei bezahltem Sex kommt eine zweite rechtliche Ebene hinzu.
Neben Art. 198 wird auch Art. 199 StGB relevant. Danach wird bestraft, wer gegen kantonale Vorschriften über Ort, Zeit oder Art der Prostitution verstösst. Diese Vorschriften sind je nach Kanton und Stadt verschieden. In der Stadt Zürich ist Strassenprostitution nur in bewilligten Zonen erlaubt, und Sex im Auto ist dort einzig auf dem Strichplatz Depotweg vorgesehen. Wie die Zürcher Prostitutionsgewerbeverordnung im Detail funktioniert, beschreiben wir in einem separaten Artikel. Welche Zonen es sonst noch gibt, steht im Escort Guide zur Rechtslage in der Schweiz.
Für ein gebuchtes Escort-Treffen ist ein Auto im öffentlichen Raum deshalb keine gute Wahl. Für dich als Kunden wird es zwar nicht sofort strafbar. Die Escort bewegt sich damit aber in einem Graubereich ihrer Bewilligung. Auf solche Anfragen schlagen die meisten deshalb ein Hotelzimmer oder ein Treffen bei sich vor. Was Hotels beim Thema Escort erlauben, ist klar geregelt. Ob sich ein Kunde beim Buchen überhaupt strafbar macht, hängt nicht vom Ort ab. Entscheidend sind Alter, Freiwilligkeit und Zwang.
Häufige Fragen
Darf man im Auto Sex haben, wenn es auf einem öffentlichen Parkplatz steht?
Ja. Der Parkplatz ändert an der Rechtslage nichts. Entscheidend ist, ob jemand ungewollt zusieht und Anzeige erstattet. Ein leerer Parkplatz nach Betriebsschluss ist rechtlich darum unproblematisch. Bei einem vollen Parkplatz am Samstagnachmittag sieht es anders aus.
Ist Oralverkehr im Auto strafbar?
Im stehenden Auto gilt dasselbe wie für jede andere sexuelle Handlung: Er ist nicht strafbar, solange niemand zusieht. Im fahrenden Auto verstösst er gegen das Strassenverkehrsgesetz. Das kann eine Busse oder sogar den Ausweisentzug zur Folge haben. Zum Thema Schutz lohnt sich ein Blick auf die Safer-Sex-Standards.
Kann ich wegen Sex im Auto einen Eintrag im Strafregister bekommen?
Nur wenn die Busse über 5'000 Franken liegt. Übertretungen mit tieferen Bussen werden nicht eingetragen. Bei einem Erstfall ohne weitere Umstände fällt die Busse deutlich tiefer aus.
Was ist der Unterschied zwischen sexueller Belästigung und Exhibitionismus?
Art. 198 StGB betrifft sexuelle Handlungen, die jemand ungewollt mitbekommt. Art. 194 StGB betrifft das gezielte Zeigen der Geschlechtsteile vor Fremden. Sex im geschlossenen Auto kann höchstens unter Art. 198 fallen. Seit 2024 sind beide im Grundfall Übertretungen, die mit Busse bestraft werden.
Zusammengefasst
- Sex im Auto ist in der Schweiz erlaubt. Strafbar wird er nur, wenn eine Person Strafantrag stellt, die ungewollt zusehen musste.
- Die Busse nach Art. 198 StGB beträgt höchstens 10'000 Franken. Liegt sie unter 5'000 Franken, wird sie nicht ins Strafregister eingetragen.
- Exhibitionismus nach Art. 194 StGB betrifft nur das gezielte Zeigen vor Fremden, nicht Sex zu zweit im Auto.
- Während der Fahrt gilt das SVG. Es drohen eine Busse und bei einer groben Verletzung eine Geldstrafe und der Ausweisentzug.
- Polizeireglemente und Parkvorschriften sind Sache der Gemeinden. Waldstrassen sind tabu.
- Im Mietwagen ändert sich strafrechtlich nichts. Dazu kommt höchstens die Reinigungsgebühr.
- Bei bezahlten Treffen gelten zusätzlich die kantonalen Prostitutionsvorschriften. Ein Hotel oder ein Incall ist die saubere Lösung.
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